1. Vorankündigung

Uraufführung des "Psalmenkonzertes" für Chor und Orgel am 4. November
des jungen Merseburger Komponisten Christian Quinque

Im Rahmen der Konzertreihe in der Stadtkirche zu Merseburg findet am Sonntag, den 4.November um 17.00 Uhr ein Konzert für Chor und Orgel statt. Eigenst für den Chor CANTIAMO - Junge Kantorei Merseburg hat Christian Quinque das sehr beeindruckende Psalmenkonzert komponiert.
Christian Quinque, geb. 1983 in Merseburg, erhielt in diesem Jahr den Förderpreis für junge Komponisten im Rahmen der alljährlich in Halberstadt stattfindenden Orchesterwerkstatt. Er hat bereits mit mehreren Kompositionen auf sich aufmerksam gemacht.
Das Psalmenkonzert beinhaltet Vertonungen verschiedener Psalmen, welche sehr unterschiedliche Grundstimmungen vermitteln. Das Werk beginnt mit dem 39. Psalm, der insgesamt sehr düster gefärbt ist. Er beschreibt die Nichtigkeit des menschlichen Tuns vor Gott und die Hoffnung auf die Nähe zu Gott durch den Tod. Der darauffolgende 130. Psalm rückt von jener tiefen Verzweiflung ab und bildet mit seiner tiefen Ruhe und seinem meditativen Charakter das musikalische Zentrum des Werkes. Über das Bitten und Flehen hinaus lässt er zum Ende hin immer stärker einen tiefen Frieden erahnen. Mit jubelnden Klängen schließt sich der Psalm 103 an, immer wieder den Vers "Lobe den Herrn, meine Seele" wiederholend. Das Werk wird beschlossen durch ein letztmaliges Wiederaufgreifen dieses Verses, jedoch leise und verinnerlicht, gleich einem Nachhall.

Zu hören sein werden auch der 150. Psalm von Cesar Franck und die Choralkantate "Verleih uns Frieden" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Alle Stücke sind Werke für Chor mit Orgelbegleitung, die von Michael Schönheit, dem Merseburger Domorganisten, ausgestaltet wird. Die Leitung hat Stefan Mücksch.

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2. Kritik zum Psalmenkonzert von Hans-Hubert Werner

(Anm.: Dies ist der ursprüngliche, vollständige Artikel, der - sehr stark gekürzt - am 6. November 2001 in der Mitteldeutschen Zeitung veröffentlicht wurde)

Gelungenes Chor- und Orgelkonzert in der Stadtkirche
Uraufführung des Psalmenkonzerts

Das sehr gut besuchte Konzert am vergangenen Sonntag in der Stadtkirche St. Maximi hatte seine Schwerpunktsetzung in Psalmvertonungen des 19. und 21. (!!!) Jahrhunderts.
Cesar Franck (1822-1890) und Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) stehen mit ihren Chor- und Orgelkompositionen geradezu symptomatisch für die Entwicklung der Romantik in der Musik, da durfte man auf die Uraufführung einer Psalmkomposition unserer Tage durchaus gespannt sein.

Die Junge Kantorei CANTIAMO unter der Leitung von Stefan Mücksch und Gewandhausorganist Michael Schönheit beeindruckte mit einer überzeugenden Leistung sowohl in Francks 150. Psalm "Halleluja. Lobt Gott in seinem Heiligtum" als auch in Mendelssohns inniger Choralkantate "Verleih uns Frieden gnädiglich". Stets waren Chor und Organist auf der Höhe der musikalischen Anforderungen und wussten mit differenziertem Gestalten und homogenem Klang Akzente zu setzen. Die Gerhard-Orgel der Stadtkirche war für die Orgelkompositionen der Romantik das Idealinstrument, das Schönheit souverän einsetzte.

Musikalische Uraufführungen sind alles andere als Normalität in den Konzerten, zumal in der oft zu unrecht gescholtenen Provinz. So war die Spannung greifbar, wie sich das Psalmenkonzert des jungen Merseburger Komponisten Christian Quinque behaupten würde. Quinques musikalische Laufbahn (wenn man bei einem Achtzehnjährigen davon überhaupt reden kann) verlief völlig unspektakulär - da gibt es keine "Wunderkind"-Geschichten, kein frühzeitiger Einstieg in Komponistenklassen der renommierten Musikhochschulen vor unserer Haustür in Leipzig oder Halle oder gar die "berühmten Eltern", in deren große Fußstapfen die Nachkömmlinge ohnehin selten passen. Christian ist zunächst einmal ein ganz normaler Schüler am Domgymnasium, dem das Abitur im Frühjahr im Nacken sitzt. Und dann ist da sein Hobby - die Musik. Schulchor, Musikschule (Klavier und Gesang), Domkantorei, mal hier und da ein Auftritt mit dem Ensemble der Musikschule... Nichts Spektakuläres! Und doch ist da noch was, was ihn von vielen vielen anderen seines Alters unterscheidet. Er komponiert! Er setzt in Noten um, was ihn musikalisch so umtreibt. Es reizt ihn, sich mit musikalischem Material - Klang, Melodie, Rhythmus, Harmonien usw. zu beschäftigen, zu sehen, was dabei so herauskommt. So ganz unerfahren ist Christian Quinque inzwischen mit diesen Materialien nicht mehr, er hat Workshops besucht und für seine Komposition für großes Orchester "Okklusion" bei der 12. Orchesterwerkstatt in Sachsen-Anhalt den ersten Preis errungen.

"Schreib doch mal was für unseren Chor", hat ihn Stefan Mücksch gebeten - so ist das "Psalmenkonzert für gemischten Chor und Orgel" gewissermaßen ein Auftragswerk, das in diesem Jahr entstand. So war klar, es wird ein geistliches Chorwerk werden und die Psalmen mit ihrer bildhaften Sprache und ihrer fundamentalen geistlichen Aussage sind eine geeignete Textgrundlage.

Klar war damit aber auch, dass die Musik nichts Vordergründiges sein konnte, hier waren Textaussage und Musik in Übereinstimmung zu bringen. Drei große Psalmen hat sich Quinque ausgesucht, den 39. (Herr, lehre doch mich), den 130. (Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir) und den 103. Psalm (Lobe den Herrn, meine Seele). Sicher, alle drei Gebete stehen in einem engen inhaltlichen Zusammenhang am Ende des Kirchenjahres, dennoch hat der Komponist versucht, sehr verschiedene "Handschriften" durchblicken zu lassen.
Auch wenn Chr. Quinque seinen Stil noch finden muss, da war ganz solides Handwerk spürbar.

Klang ist ihm offensichtlich ganz wichtig, da entwickeln sich richtig einprägsame Melodien, verschränken sich in den einzelnen Chorstimmen und lassen so interessante Harmonien entstehen. Da wird nicht auf vordergründige Effekte gesetzt, sondern ganz bewusst der Stimmung des Textes entsprochen, und das ist gerade das Besondere des Psalmenkonzertes. Deutlich wird das auch an der Orgelstimme, die einen selbständigen Part zu übernehmen hat und damit weit mehr ist als ein Begleitinstrument.

Alle drei Texte sind durchkomponiert, musikalisch nach den Sinnabschnitten gegliedert. Ist der 130. Psalm fast meditativ rezitatorisch, die Melodie getragen auf ruhigem, tiefen Orgelton, angelegt, so werden im "Lobe den Herrn, meine Seele" kraftvoll verschränkte Rhythmen neben einen fast jubelnden Grundgestus gestellt, bevor in den Schlusstakten auf das thematische Material des Anfangssatzes zurückgegriffen wird und eine eher verhaltene Stimmung das fast dreißigminütige Opus beendet.

CANTIAMO und Michael Schönheit haben sich unter der engagierten Leitung von Stefan Mücksch dieses interessanten Werkes von Christian Quinque begeistert angenommen und mit der geschlossenen und ambitionierten Interpretation zum Erfolg geführt, das Publikum dankte es mit lang anhaltendem Beifall.

Hans-Hubert Werner (Mitteldeutsche Zeitung, 6. November 2001)

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